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Was ist ein Ehrenamt und wie kann man sich engagieren?

Was ist ein Ehrenamt? Wir erklären die Definition, Vorteile, die Ehrenamtspauschale und wie Sie in der Baden-Region das passende Engagement finden.

was ist ein ehrenamt

Was ist ein Ehrenamt? Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine freiwillige, unentgeltliche Tätigkeit zum Wohl der Gemeinschaft — ohne Arbeitsvertrag, ohne Gehaltsanspruch, aber mit einem gesellschaftlichen Mehrwert, der kaum zu überschätzen ist. Rund 28 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich laut dem Deutschen Freiwilligensurvey ehrenamtlich. Ob im Sportverein, beim Roten Kreuz, in der Kirchengemeinde oder digital von zu Hause aus: Ehrenamt ist so vielfältig wie die Gesellschaft selbst.

Was ist ein Ehrenamt? Eine einfache Definition

Der Begriff „Ehrenamt" setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: „Ehre" und „Amt". Historisch bezeichnete er ein offizielles Amt, das jemand aus gesellschaftlicher Verantwortung — und nicht gegen Entgelt — übernahm. Heute hat sich die Bedeutung erweitert, ohne ihren Kern zu verlieren.

Eine ehrenamtliche Tätigkeit lässt sich durch drei Grundpfeiler definieren:

  1. Freiwilligkeit: Niemand kann zum Ehrenamt verpflichtet werden. Die Entscheidung zur Mitarbeit liegt vollständig beim Einzelnen.
  2. Unentgeltlichkeit: Ehrenamtliche erhalten kein reguläres Gehalt. Geringe Aufwandsentschädigungen (dazu später mehr) widersprechen dem Grundsatz nicht.
  3. Gemeinwohlorientierung: Das Engagement dient nicht dem eigenen wirtschaftlichen Vorteil, sondern dem Nutzen für die Gesellschaft, eine Organisation oder eine bestimmte Personengruppe.

Was ist ehrenamtlich im Unterschied zu sozialem Engagement überhaupt? Der Unterschied liegt oft in der Regelmäßigkeit und der Einbindung in eine Organisation. Wer einmalig beim Nachbarschaftsfest hilft, engagiert sich spontan — wer jeden Dienstag im Hospiz vorliest, übt ein Ehrenamt aus.

Die ehrenamtliche Tätigkeit Definition nach deutschem Recht orientiert sich eng an diesen Kriterien. Gerichte und Behörden unterscheiden dabei zwischen dem klassischen Ehrenamt in Vereinen und gemeinnützigen Organisationen sowie dem öffentlichen Ehrenamt — etwa als Schöffe, Gemeinderat oder ehrenamtlicher Bürgermeister.

Warum sich engagieren? Die Vorteile freiwilliger Arbeit

Wer über freiwillige Arbeit nachdenkt, fragt sich oft zuerst: Was habe ich davon? Die Antwort überrascht manchen: Eine ganze Menge.

Persönliche Entwicklung: Ehrenamtliche erwerben Kompetenzen, die im Lebenslauf auffallen — Projektmanagement, Kommunikation, Teamführung oder Krisenintervention. Wer in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, trainiert nicht nur Löscheinsätze, sondern auch schnelles Entscheiden unter Druck. Wer im Tierschutzverein Öffentlichkeitsarbeit macht, lernt Social-Media-Management praktisch kennen.

Gesundheitlicher Nutzen: Mehrere Studien, darunter eine Untersuchung der Universität Exeter (2013) mit über 40 Erhebungen, belegen: Ehrenamtliche haben ein um 22 % geringeres Sterblichkeitsrisiko als Nicht-Engagierte und berichten deutlich seltener von Depressionen. Sinn zu erleben ist ein starker Schutzfaktor.

Soziale Einbindung: Freiwillige Arbeit verbindet Menschen. Gerade in einer Zeit, in der soziale Isolation zunimmt, bietet das Ehrenamt verlässliche Gemeinschaft — regelmäßige Treffen, geteilte Ziele, echte Beziehungen.

Gesellschaftliche Wirkung: Ohne Ehrenamt würden in Deutschland zahlreiche Strukturen zusammenbrechen. Rund 90 % aller Feuerwehren im Land sind Freiwilligenfeuerwehren. Sportvereine, Tafeln, Hospizdienste, Flüchtlingshilfen — sie alle stützen sich auf Menschen, die ihre Zeit schenken.

„Ehrenamt ist keine verlorene Zeit — es ist investierte Zeit in eine Gesellschaft, die uns allen gehört."

Infolgedessen gewinnt das Thema Engagement auch gesellschaftspolitisch an Bedeutung. Es verknüpft sich eng mit Fragen der Nachhaltigkeit heute — denn wer sich vor Ort engagiert, trägt unmittelbar zur resilienten Gemeinschaft bei.

Ehrenamt von zu Hause: Digitales Engagement im modernen Alltag

Nicht jeder kann regelmäßig zu festen Zeiten an einem Ort erscheinen. Genau hier setzt das Ehrenamt von zu Hause an — eine Form des Engagements, die durch Digitalisierung in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist.

Was ist digitales Ehrenamt konkret? Beispiele aus der Praxis:

  • Online-Mentoring: Plattformen wie „Mentoring Digital" oder „My Way" vermitteln Ehrenamtliche, die Schülerinnen und Schüler per Videocall bei Bewerbungen, Sprachkenntnissen oder Schulstoff begleiten.
  • Übersetzungsdienste: Organisationen wie Translators Without Borders suchen Freiwillige, die humanitäre Dokumente übersetzen — flexibel, von überall.
  • Telefonische Begleitung: Der Deutsche Caritasverband und ähnliche Träger setzen auf ehrenamtliche Telefonpaten, die einsame ältere Menschen regelmäßig anrufen.
  • Wikipedia und Open Source: Wer Artikel schreibt, korrigiert oder Programmierprojekte für gemeinnützige Zwecke unterstützt, leistet digitale freiwillige Arbeit.
  • Soziale Medien für gemeinnützige Vereine: Viele kleine Vereine suchen Menschen, die ihnen beim Aufbau eines Instagram-Profils oder einer Website helfen.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Das digitale Ehrenamt erfordert keine Anwesenheit, keine festen Schichten und ist gut mit Berufstätigkeit oder Familie kombinierbar. Die Wirkung ist trotzdem real. Wer wissen möchte, wie Digitalisierung den modernen Alltag verändert, findet im Ehrenamt ein konkretes, gelebtes Beispiel dafür.

Was ist ein öffentliches Ehrenamt und welche rechtlichen Aspekte gibt es?

Neben dem Engagement in Vereinen und sozialen Organisationen gibt es eine besondere Form: das öffentliche Ehrenamt. Dabei übernehmen Bürgerinnen und Bürger staatlich oder kommunal anerkannte Funktionen, ohne dafür ein reguläres Gehalt zu beziehen.

Typische Beispiele für öffentliche Ehrenämter:

  • Schöffe oder Schöffin am Amts- oder Landgericht
  • Gemeinderätin oder Gemeinderat auf kommunaler Ebene
  • Ehrenamtliche Bürgermeisterin oder ehrenamtlicher Bürgermeister in kleinen Gemeinden
  • Mitglieder von Prüfungsausschüssen bei Industrie- und Handelskammern
  • Wahlhelferinnen und Wahlhelfer bei Kommunal-, Landes- oder Bundeswahlen

Diese Ämter sind gesetzlich geregelt und häufig mit einer Aufwandsentschädigung verbunden — was zur nächsten wichtigen Frage führt.

Die Ehrenamtspauschale: Was ist steuerlich erlaubt?

Ehrenamtliche dürfen pro Jahr bis zu 840 Euro steuerfrei als Aufwandsentschädigung erhalten (§ 3 Nr. 26a EStG). Diese sogenannte Ehrenamtspauschale gilt für alle gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Organisationen. Sie deckt Ausgaben für Fahrtkosten, Materialien oder sonstige Aufwendungen pauschal ab — ohne dass Belege eingereicht werden müssen.

Zusätzlich gibt es den Übungsleiterfreibetrag von 3.000 Euro jährlich (§ 3 Nr. 26 EStG), der für Trainerinnen und Trainer, Chorleiter oder pädagogische Betreuer gilt. Beide Beträge können nicht gleichzeitig für dasselbe Amt beansprucht werden.

Versicherungsschutz im Ehrenamt

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist der Versicherungsschutz im Ehrenamt. In Baden-Württemberg — und damit auch in der Baden-Region — sind ehrenamtlich Tätige bei gemeinnützigen Organisationen in der Regel über die Trägerhaftpflicht der jeweiligen Organisation oder über den Landes-Sammelvertrag abgedeckt. Das Land Baden-Württemberg unterhält einen solchen Sammelvertrag für ehrenamtlich Engagierte, die keiner eigenen Organisation angehören.

Wichtig: Wer ein öffentliches Ehrenamt ausübt (z. B. als Schöffe), ist automatisch gesetzlich unfallversichert. Bei privatrechtlich organisierten Vereinstätigkeiten sollte der Versicherungsschutz vorab geklärt werden.

Schritt-für-Schritt: So finden Sie das passende Ehrenamt in Baden

Die Entscheidung ist gefallen — Sie möchten sich engagieren. Aber wie findet man ein Ehrenamt, das zur eigenen Lebenssituation passt? Der Einstieg muss nicht kompliziert sein.

Schritt 1: Interessen und Zeitfenster klären Überlegen Sie, welche Themen Sie bewegen — Umweltschutz, Bildung, Sport, Pflege, Kultur? Und wie viel Zeit können Sie realistisch einbringen? Zwei Stunden pro Woche sind ein vollkommen legitimer Einstieg.

Schritt 2: Lokale Anlaufstellen im Ortenaukreis und der Baden-Region nutzen In der Region Baden bieten folgende Stellen Orientierung:

  • Freiwilligenagentur Ortenau (Offenburg): Vermittlung in über 400 Einsatzstellen
  • Bürgerbüros in Bühl, Achern und Umgebung: Erste Anlaufstelle für kommunale Ehrenämter
  • Caritas und Diakonie im Erzbistum Freiburg: Breites Spektrum sozialer Einsatzfelder

Schritt 3: Online-Plattformen nutzen Bundesweite Portale wie Ehrenamt24.de, Betterplace.org oder die Engagement-Datenbank des Bundesfamilienministeriums ermöglichen eine Suche nach Postleitzahl und Interessensgebiet. Ebenso lohnt sich ein Blick auf die Website der jeweiligen Gemeindeverwaltung.

Schritt 4: Schnuppereinsatz vereinbaren Seriöse Organisationen bieten Schnuppereinsätze an. Nutzen Sie diese Möglichkeit, bevor Sie eine langfristige Verpflichtung eingehen. Ein erstes Gespräch kostet nichts — und schafft Klarheit.

Schritt 5: Engagement dokumentieren Lassen Sie sich Ihr Ehrenamt bescheinigen. In Baden-Württemberg gibt es den Ehrenamtsausweis, der landesweit Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr, in Museen und Einrichtungen der Weiterbildung bietet. Engagement lohnt sich — auch ganz praktisch.

Ehrenamt in Zahlen (Deutschland)

  • 28 Mio. Engagierte (Freiwilligensurvey 2019)
  • 840 € steuerfreie Ehrenamtspauschale pro Jahr
  • 90 % aller Feuerwehren sind Freiwilligenfeuerwehren
  • 3.000 € Übungsleiterfreibetrag für pädagogische Tätigkeiten

Ehrenamt finden bedeutet nicht, sich blind in die nächstbeste Aufgabe zu stürzen. Es geht darum, eine Tätigkeit zu wählen, die langfristig Freude macht — und so zum echten Engagement in Baden und darüber hinaus zu werden.

Häufige Fragen (FAQ)

Häufige Fragen

Was ist ein Ehrenamt?
Ein Ehrenamt ist eine freiwillige, unentgeltliche Tätigkeit zum Wohl der Gemeinschaft. Es basiert auf drei Grundpfeilern: Freiwilligkeit, Unentgeltlichkeit und Gemeinwohlorientierung – ohne Arbeitsvertrag oder reguläres Gehalt.
Was ist ein Ehrenamt einfach erklärt?
Wer ein Ehrenamt ausübt, hilft anderen Menschen oder der Gesellschaft – ohne dafür bezahlt zu werden und ohne dazu verpflichtet zu sein. Beispiele sind die Freiwillige Feuerwehr, die Tafel oder das Vorstandsamt in einem Sportverein.
Was ist ein öffentliches Ehrenamt?
Ein öffentliches Ehrenamt ist eine staatlich anerkannte Funktion ohne reguläres Gehalt, zum Beispiel als Schöffe, Gemeinderat oder Wahlhelfer. Diese Ämter sind gesetzlich geregelt und oft mit einer Aufwandsentschädigung verbunden.
Was ist ehrenamtlich?
Ehrenamtlich bedeutet, eine Tätigkeit freiwillig, ohne Entgelt und zum Nutzen der Allgemeinheit auszuüben. Der Begriff leitet sich vom historischen ‘Ehrenamt’ ab – einem Amt, das aus gesellschaftlicher Verantwortung übernommen wird.
Kann man ein Ehrenamt von zu Hause ausüben?
Ja. Digitales Ehrenamt ist weit verbreitet: Online-Mentoring, Telefonbegleitung, Übersetzungen für NGOs oder Social-Media-Unterstützung für Vereine lassen sich flexibel von zu Hause leisten – oft ab zwei Stunden pro Woche.
Gibt es Geld für ein Ehrenamt?
Reguläres Gehalt gibt es nicht. Allerdings dürfen Ehrenamtliche bis zu 840 Euro pro Jahr steuerfrei als Aufwandsentschädigung erhalten (Ehrenamtspauschale). Für Übungsleiter und Trainer gilt ein höherer Freibetrag von 3.000 Euro jährlich.